Schon eine ganze Woche ist es her, als ich für 2 1/2 Tage nach Tel Aviv wollte. Ich wollte einfach mal einen Ausflug in eine richtige Stadt machen und nicht gerade nach Jerusalem. Ich war schon mal kurz in Tel Aviv, aber keinen tollen Eindruck. Sari, eine aus Finnland stammende Israelin, die, bis wir Nachtwächter anrücken, die Rezeption besetzt, schwärmte mir von Tel Aviv vor, worauf ich immer nur sagen konnte: "Ich fand's häßlich, aber vielleicht war ich auch nur in der falschen Ecke." Jetzt hieß es also zweite Chance für Tel Aviv.
Am Vorabend zeichnete mir Sari noch die schönen Straßen und Plätze auf einer Karte ein und am nächsten Morgen ging es nach der Arbeit schon fast wie gewohnt schnell frühstücken und dann ab und weg! In Tel Aviv angekommen war ich auch in der ersten "schönen" Strasse. Ich musste hier falsch sein, dachte ich mir. Ein Blick auf die Karte und aufs Strassenschild reichte mir nicht. Nach dem viertem Blick war die Enttäuschung dann doch da. Ohne den Kopf hängen zu lassen lief ich weiter und weiter, auf der Suche nach einem schönen Ort, den es doch geben musste! Da ich nicht an den Strand wollte, war das aussichtslos. Ich lief stundenlang, die häßlichen Häuser bestaunend, die die Leute noch vergeblich versuchten frisch zu verputzen, durch die Strassen. Fackel die Bude doch einfach ab! Bei uns im Osten haben sie es auch nicht geschafft Plattenbauten in schön ansehliche Wohnhäuser zu verwandeln! Das einzige was man der Stadt ansehen kann, dass es eine riesen Menge Einwanderer gab, die irgendwo leben mussten und so Häuser her mussten. Und zwar schnell und möglichst günstig. Wenn man mal die Hochhausvariante dieser Wohnhäuser gesehen hat, ist dann Tel Aviv dann doch eine wahre Pracht! Mich hielt es aber in keiner Straße und auf keinem Platz besonders lange auf. Am Nachmittag kam ich dann doch in ein schmale Geschäftsstraße, die zumindest etwas wie "Flair" besaß. Ich schländerte dann noch über den Markt und dann hat es mir von Tel Aviv auch schon gereicht. Ich war dann am Strand und lief auf direktem Weg nach Yafo bzw. Jaffa.
Dort begegnete mir das totale Kontrastprogramm! Extrem schön liegt die Stadt auf einem Hügel direkt am Meer. Man kann gemütlich durch die schmalen Gassen der Altstadt schländern oder auch durch die neueren Strassen. Also Yafo war die Reise dann wirklich wert!
Es war dann schon Sonntag abend, ich war müde, wollte mich aber in meinem Hostel nicht gleich schlafen legen. Ich ging dann also in die Kirche. Wie die Kirche hieß weiss ich nicht mehr, es ist aber die Kirche, die zu dem Kirchturm gehört, den man auf dem Foto sieht. Den Gottesdienst werde ich sicher nicht vergessen! Es war ein katholischer Gottesdienst auf Polnisch. Ich verstand natürlich kein Wort, aber es war trotzdem oder gerade dadruch eine tolle Erfahrung. Die Kirche war echt schön und das Polnisch, was für mich wie elegantes und unverstanändlichen Genuschel klang, hypnotsierend. Wäre das ständige Knien und Stehen nicht gewesen, wäre ich tatsächlich in eine Art Trance gefallen. Und dann geschah es: Nicht mal ein katholischer Gottesdienst im heiligen Land ist vor Handyklingeln sicher! Das Klingeln kam aus meiner Ecke, worauf, die Frau neben mir hastig in ihrer Handtasche nach dem Handy suchte, dann aber doch erleichtert aufblickte. Die Frau vor mir, war also die Übeltäterin! Alledings viel kleverer als die Frau neben mir. Sie schmiß ihre Tasche hastig auf dem Boden und begann auf wie irre auf der Tasche herumzutrampeln. Ein älterer Herr auf der anderen Seite des Ganges versuchte ihr mit Handbewegungen verständlich zu machen, dass sie doch das Handy aus der Tasche holen und ausschalten solle. Vergebens! Das Handy mit der ganzen Tasche musste dran glauben! Der Anblick war brutal und ich bin fast geplatzt.
Am nächsten Tag sah ich mir Yafo noch mal genauer in Ruhe an und fuhr dann früher als geplant zurück nach Jad haShmona.
Fazit: Yafo war super! Tel Aviv nicht! Wobei ich werder an den Strand von Einkaufen wollte und das Nachtleben interssierte mich auch nicht. Das war sicher der Fehler...
