Montag, 29. Oktober 2007

Tel Aviv - Yafo


Schon eine ganze Woche ist es her, als ich für 2 1/2 Tage nach Tel Aviv wollte. Ich wollte einfach mal einen Ausflug in eine richtige Stadt machen und nicht gerade nach Jerusalem. Ich war schon mal kurz in Tel Aviv, aber keinen tollen Eindruck. Sari, eine aus Finnland stammende Israelin, die, bis wir Nachtwächter anrücken, die Rezeption besetzt, schwärmte mir von Tel Aviv vor, worauf ich immer nur sagen konnte: "Ich fand's häßlich, aber vielleicht war ich auch nur in der falschen Ecke." Jetzt hieß es also zweite Chance für Tel Aviv.
Am Vorabend zeichnete mir Sari noch die schönen Straßen und Plätze auf einer Karte ein und am nächsten Morgen ging es nach der Arbeit schon fast wie gewohnt schnell frühstücken und dann ab und weg! In Tel Aviv angekommen war ich auch in der ersten "schönen" Strasse. Ich musste hier falsch sein, dachte ich mir. Ein Blick auf die Karte und aufs Strassenschild reichte mir nicht. Nach dem viertem Blick war die Enttäuschung dann doch da. Ohne den Kopf hängen zu lassen lief ich weiter und weiter, auf der Suche nach einem schönen Ort, den es doch geben musste! Da ich nicht an den Strand wollte, war das aussichtslos. Ich lief stundenlang, die häßlichen Häuser bestaunend, die die Leute noch vergeblich versuchten frisch zu verputzen, durch die Strassen. Fackel die Bude doch einfach ab! Bei uns im Osten haben sie es auch nicht geschafft Plattenbauten in schön ansehliche Wohnhäuser zu verwandeln! Das einzige was man der Stadt ansehen kann, dass es eine riesen Menge Einwanderer gab, die irgendwo leben mussten und so Häuser her mussten. Und zwar schnell und möglichst günstig. Wenn man mal die Hochhausvariante dieser Wohnhäuser gesehen hat, ist dann Tel Aviv dann doch eine wahre Pracht! Mich hielt es aber in keiner Straße und auf keinem Platz besonders lange auf. Am Nachmittag kam ich dann doch in ein schmale Geschäftsstraße, die zumindest etwas wie "Flair" besaß. Ich schländerte dann noch über den Markt und dann hat es mir von Tel Aviv auch schon gereicht. Ich war dann am Strand und lief auf direktem Weg nach Yafo bzw. Jaffa.
Dort begegnete mir das totale Kontrastprogramm! Extrem schön liegt die Stadt auf einem Hügel direkt am Meer. Man kann gemütlich durch die schmalen Gassen der Altstadt schländern oder auch durch die neueren Strassen. Also Yafo war die Reise dann wirklich wert!
Es war dann schon Sonntag abend, ich war müde, wollte mich aber in meinem Hostel nicht gleich schlafen legen. Ich ging dann also in die Kirche. Wie die Kirche hieß weiss ich nicht mehr, es ist aber die Kirche, die zu dem Kirchturm gehört, den man auf dem Foto sieht. Den Gottesdienst werde ich sicher nicht vergessen! Es war ein katholischer Gottesdienst auf Polnisch. Ich verstand natürlich kein Wort, aber es war trotzdem oder gerade dadruch eine tolle Erfahrung. Die Kirche war echt schön und das Polnisch, was für mich wie elegantes und unverstanändlichen Genuschel klang, hypnotsierend. Wäre das ständige Knien und Stehen nicht gewesen, wäre ich tatsächlich in eine Art Trance gefallen. Und dann geschah es: Nicht mal ein katholischer Gottesdienst im heiligen Land ist vor Handyklingeln sicher! Das Klingeln kam aus meiner Ecke, worauf, die Frau neben mir hastig in ihrer Handtasche nach dem Handy suchte, dann aber doch erleichtert aufblickte. Die Frau vor mir, war also die Übeltäterin! Alledings viel kleverer als die Frau neben mir. Sie schmiß ihre Tasche hastig auf dem Boden und begann auf wie irre auf der Tasche herumzutrampeln. Ein älterer Herr auf der anderen Seite des Ganges versuchte ihr mit Handbewegungen verständlich zu machen, dass sie doch das Handy aus der Tasche holen und ausschalten solle. Vergebens! Das Handy mit der ganzen Tasche musste dran glauben! Der Anblick war brutal und ich bin fast geplatzt.
Am nächsten Tag sah ich mir Yafo noch mal genauer in Ruhe an und fuhr dann früher als geplant zurück nach Jad haShmona.

Fazit: Yafo war super! Tel Aviv nicht! Wobei ich werder an den Strand von Einkaufen wollte und das Nachtleben interssierte mich auch nicht. Das war sicher der Fehler...

Samstag, 6. Oktober 2007

Mit passenden Schuhwerk in die Hitze


Am Montag war es mal wieder soweit und es klingt fast schon nach Routine: Ein freier Tag! Dieses mal nur einer, aber trotzdem genug Zeit um etwas zu unternehmen. Um 7 Uhr war meine Schicht vorbei, die Sonne schien wie an allen vorigen Tagen seit meinem Israelaufenthalt und ich hatte bereits 15 Stunden nicht geschlafen. Also die besten Grundvorraussetzungen für einen Ausflug ans Tote Meer! Schnell gefrühstückt und Sachen gepackt und schon gings auf den letzten Drücker los an die Bushaltestelle. Fast wie erwartet und hier im Blog schon gar nicht mehr erwehnenswert, kam der Bus nicht, dafür aber eine nette Frau vom Moshav, die uns (Chrisi, eine Voluntärin aus Deutschland, und mich) nach Jerusalem mitnahm. Dort entschieden wir uns zuerst die ehemalige Festung Masada zu besichtigen und dann in Richtung Wasser zu fahren. Am Fuß der Berges angekommen, entscheiden wir uns in Anbetracht der vielen Zeit, die wir hatten und des Geldes, das wir nicht hatten, zu laufen, anstatt mit der Gondel zu fahren. Wir schlenderten los und bestaunteten die vielen anderen Deutschen Touristen, mit was für einen sportlichen Engagement sie den Berg hinauf oder hinab rannten. Teilweise noch mit Kommentaren wie: "Hier, wie bei den Gebirgsjägern! Das jetzt nur noch mit einem 30 kg Rucksack UND MG kommt auch noch!...". Mir war dann die etwas gediegernere Variante mit FlipFlops im "Jesus-Style" lieber. Als wir oben ankamen, wurden wir von den anderen Deutschen Touries begrüßt, die unserem Schuhwerk höchsten Respekt aussprachen. Es war dann um die Mittagszeit als wir die 400 Höhenmeter auf 3 km hinter uns brachten und uns dann schätzungsweise auf ca. 0m auf dem Meeresspiegel befanden. Wozu dann überhaupt der ganze Stress?!
Die Sonne brannte und die Lust auf Ruinen war uns auch vergangen. Wir schehrten alle Berge, Felsen und Ruinen einfach über den ruhmreichen Kamm der Steine, schossen Fotos für die Zurückgeblibenen in der Heimat und liefen auf der Hochebene herum. Uns wurde dann entscheiden zu heiß unter der Sonne und mussten den Berg jetzt wieder hinunter. Wir hatten doppeltes Glück, weil zum einen der Abstieg sehr fix ging und zum anderen es nicht mehr so knall heiß war, als wir in En Gedi zum schwimmen ankamen. Es war sogar schon relativ spät. Wir hielten uns also auch nicht sehr lange am Wasser auf. Nur schnell das "Drifting in the Water" genossen, Fotos geschossen, an nächsten Kiosk ein Eis gekauft und ab an die Bushaltestelle in der Hoffnung, dass der Bus bald kommt (was man nie weiß). Soweit sogut! Nur schade, dass es so nicht bleiben sollte. Um etwa 16:30 Uhr waren wir an der Bushaltestelle und ab diesem Moment war Gedult und Durchhaltevermögen gefragt.
Mir wurde langweilig und wurde müde, Chrisi wurde auch langweilig, wurde müde, bekam Kopfschmerzen und wurde übel. Nach einer dreiviertel Stunde kam dann der Bus! So schnell er plötzlich da war, war er auch wieder weg. Um 18:30 Uhr kam dann nun endlich der nächste Bus, der uns dann auch mitnahm. Mir war immernoch langweilig und war inzwischen nach 26,5 Stunden so müde, dass ich ohne lange Wiederstand leisten zu können, es war inzwischen auch schon längst dunkel, einschlief. Und Chrisi? Nun ja, ich wachte so nach einer halben Stunde Schlaf auf, hatte keine Ahnung, wo ich bin aber fragte Chrisi wie es ihr ginge, woraufhin sie nur mit dem Kommentar "Das war dann wohl mein Eis" kurz einen Plastikbeutel mit einer undefinierbaren Flüssigkeit anhob. Ich sagte, dass wir sicher bald in Jerusalem seien und wir dann sicher auch ganz schnell wieder in Jad hsShmona sind. War leider nicht so. Aber nach einer ziehenden Fahrt, einem kurzen Aufenthalt in Jerusalem und einer weiteren kürzeren Fahrt kamen wir dann doch recht happy, unversehrt und mit Sonnenstich in Jad haShmona an.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Ab in die Wueste und zurueck

Am Sonntag bin ich alleine, nachdem der Plan mit zwei anderen Voluntaeren nach Elat zu fahren platzte, nach Mitzpe Ramon (im Negev) gefahren. Nach Feierabend am Sonntag Morgen habe ich wahrlos saemtliche Dinge, die mir in die Haende gefallen sind, in meinen Rucksack geworfen und es ging los. Ich bin erst nach Ber Sheva gefahren um von dort aus nach Mitzpe Ramon zu fahren. Als ich in Ber Sheva austieg fuehlte ich mich voellig fehl am Platz. Um mich herum waren nur Soldaten! Immhin sicher, dachte ich mir, und ein Schild verriet mir, dass ich tatsaechlich in Ber Sheva war. Jedenfalls bin ich nachmittags in Mitzpe Ramon angekommen und bin dort gleich einem Backpacker aus Maiz vor die Fuesse gelaufen. Mit ihm bin ich dann zu dem Hostel, das er gerade verlies und ich beziehen wollte, gelaufen. Das Hostel hiess "Silent Arrows" und der Name verraet schon sehr viel ueber den Ort und die Wueste dort ansich. Es herrscht absolute Stille und eine angenehme Leere. An diesem Abend habe ich noch mit den einzigen weiteren Gaesten Karten gespielt und ansonsten die Fuesse hochgelegt und die Wueste bei Nacht genossen. Jedoch habe ich mich schnell unter meine warme Decke gekuschelt, weil draussen eine saukalter Wind wehte. Irgendwann wurde ich dann von Duesenjaegerlaerm geweckt und es war schon sehr heiss. Ich packte mir meinen kleinen Rucksack voll mit Wasser und machte mich auf dem Weg zum Avdat Nationalpark. Ich sagte dem Busfahre wo ich hinwollte woraufhin er mich genau an der falschen Stelle absetzte. Also stand ich dann in der prallen Sonne 10 km von meinem Ziel entfernt. Die Strasse war nicht sonderlich stark befahren also begann ich zu laufen in der Hoffnung, dass ich bald von einem netten Autofahrer mitgenommen wurde. So war es dann auch! Bis dahin waren schon meine 1,5 Liter Flasche so gut wie leer und ich fuellte sie dort neu auf und kaufte mir eine Zusaetzliche, genoss im Schatten ein Eis und lief los.
Mein Weg fuehrte an der Strasse 3 km in das Tal bis zum Eingang des Nationalparks af den weg dorthin sprangen an den seiten schon Steinboecke durch die Gegend. Im Nationalpark selber musste ich erstmal festellen, dass keine grosse Chance auf Schatten bestand, da die Sonne direkt ueber der Schlucht stand und keine Anstalten machte sich wo anders hin zu bewegen. Die, wenn auch kurze Tour duch den Nationalpark war wirklich sehr schoen und ich wurde liebevoll von einer Gruppe groelender Prolos der Altersufen 13-35 begleitet. Diese waren von dem Hall in der Schlucht enorm fasziniert und ich war dann doch froh sie hier zu erleben und nicht in einer Kreuzfahrerkirche, wo ein Ton nach 10 Sekunden noch nicht verstummt ist. Der Weg fuehrte an den Gewaessern einer Quelle und an unterschiedlichen gruenen Pflanzen, die alle eingeaengt in der Schlucht sassen, vorbei und an den beiden Felswaenden konnte man immer wieder Hoehlen sehen. Schliesslich kam ich am Ende an und machte noch mal eine Pause unter Baeumen um doch noch etwas Schatten zu erwischen. Dann folgte ein Anstieg ueber steilen, engen Treppen und Leitern aus der Schlucht herraus und siehe da: ich war an dem Platz, an dem mich schon der Busfahrer abgesetzt hatte. Sollte das ein Zeichen sein? Quatsch, das ist nur die Hitze die aus dem Hirn einen Matschklumpen macht!
Ich lief weiterhin unter staendigem Wasserverlust an die Bushaltestelle, die wie jede andere Bushaltestelle mir nicht verraten wollte, wann der naechste Bus kommt, und wartete. Es kamen kaum Autos dafuer aber eine riesige Gruppe Rennradfahrer hinter denen den Polizei herfuhr und sich dahinter eine lange schlange Autos hinterher zog. Mein Bus war auch dabei! Ich war frohen Mutes mich in den klimatisierten Bus setzen zu koennen, aber meine Stimmung schwengte mit dem Losfahren ganz schnell in Todesaengste um. Ich schnallte mich an und musste trotz der angenehmen kuehle im Bus weiterschwitzen. Es ist natuerlich fuer den Busfahrer klar, dass man in einer ewig langen Schlange staendig zum ueberholen auf der Gegenfahrbahn fahren muss um sich dann im letzten Moment, wenn dann Gegenfehrker kam, in die naechste Luecke, die natuerlich alle fuer einen riesen Bus geschaffen waren, zu quetschen. Ich bin dann aber doch doch noch heile in Mitzpe Ramon ausgeschtiegen und dachte mir, das naechste mal einen Trip nach Gaza zu unternehmen, weil ich da wenigstens was interssantes erlebe, wenn ich schon mein Leben aufs spiel setze.
Der Abend war dann sehr kurz, weil ich sehr muede war. Am naechsten Morgen habe ich dann noch einen Spaziergang am Krater entlang gemacht, der dem Grand Canyon in den USA schon sehr nahekommt, und fuhr dann zurueck nach Jad haShmona.